Dienstag, 3. Juli 2012

Wirtschaftsminister sauer

Empfiehlt Bode Hannover nicht mehr als Standort?

Hannover. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode ist verärgert über die heute vom Wirtschaftsdezernenten der Stadt Hannover vorgestellten Pläne zur Ansiedlung eines Distributionszentrums in der Nähe des Messegeländes und der damit geplatzten Investition des internationalen Internetversandhändlers Amazon: „Das Vorgehen der Stadt Hannover ist absolut inakzeptabel. Man vergibt sehenden Auges die Chance auf bis zu 2.000 neue Arbeitsplätze."

Zwar sei es eine grundsätzlich gute Nachricht, dass mit der Firma Netrada ein Unternehmen am Standort Hannover investieren wolle, diese Investition wäre nach Auffassung des Ministers aber auch an einem anderen Standort in Hannover möglich gewesen: „Die Netrada-Arbeitsplätze sind damit keine Kompensation für die verlorenen Arbeitsplätze bei dem Internetversandhändler. Sie wären auf jeden Fall in Hannover entstanden. Oberbürgermeister Weil muss sich daher die Frage gefallen lassen, ob man sich erlauben kann, eine solche Chance zu vergeben. Wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch ist das ein ziemliches Armutszeugnis." Amazon hatte angekündigt, bis zu 2.000 Beschäftigte in der Normalsaison und 4.000 bis 4.500 saisonal für das Weihnachtsgeschäft anstellen zu wollen.

Bode ist zudem enttäuscht vom Verhalten des Oberbürgermeisters im Aufsichtsrat der Deutschen Messe AG: „Erst letzte Woche haben wir hier über den Verkauf der Parkplatzflächen diskutiert. Der Bürgermeister der Stadt Hannover muss da bereits über die Pläne seines Wirtschaftsdezernenten informiert gewesen sein. In der Sitzung hat er aber keinen Ton verlauten lassen. Das ist ein glatter Vertrauensbruch."

Bode betonte, dass im Ansiedlungsgeschäft gegenseitiges Vertrauen eine große Rolle spiele: „Man muss sich nun die Frage stellen, ob man künftig noch ruhigen Gewissens Investoren an die Stadt Hannover weiterempfehlen kann, wenn auch andere Standorte in Niedersachsen in Betracht kommen." Die Ansiedlung war der Stadt Hannover von der Ansiedlungsgesellschaft des Landes Niedersachsen „Innovationszentrum Niedersachsen Strategie und Ansiedlung" vermittelt worden. Bode weiter: „Ich frage mich, welcher internationale Investor nach solchen Erfahrungen noch bereit ist, eine Entscheidung für den Standort Hannover zu treffen."

Bode kündigte an, dass er Amazon Alternativstandorte anbieten werde: „Wir haben noch einen Plan B in der Schublade. Wir wollen nicht zulassen, dass dem Logistikstandort Niedersachsen eine solche Chance entgeht."

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