Dienstag, 28. August 2012

Wenzeleien

Nikolaustag 2008: Ernst Albrecht an seinem Gartentor.
Foto: Heinz-Peter Tjaden




















 
1980 hat sich der Atomstaat formiert

Warum hat sich die Regierung von Helmut Kohl 1983 für Gorleben als einzigen Salzstock für ein Atommüll-Endlager entschieden? Das soll ein Bundestagsausschuss klären. Jetzt hat der niedersächsische Fraktionsvorsitzende der Grünen, Stefan Wenzel, die Ladung von Ernst Albrecht vorgeschlagen, der damals Ministerpräsident von Niedersachsen war. Albrecht hatte an seinem 80. Geburtstag seinen letzten öffentlichen Auftritt, ist an Alzheimer erkrankt und wird in seinem Haus in Burgdorf bei Hannover rund um die Uhr betreut. Seine Tochter Ursula von der Leyen will Wenzels Pläne durchkreuzen und ärztliche Atteste vorlegen, mit denen bewiesen werden soll, dass ihr Vater gar nicht mehr aussagen kann.
 
Ist Wahlkampf-Zeit in Niedersachsen. Die Grünen müssen um Stimmen fürchten, die ihnen von der Piratenpartei abgeluchst werden könnten. Da kommen ängstliche Politiker auch schon einmal auf Schnapsideen, statt sich schlau zu machen. Zu diesem Zwecke könnte Stefan Wenzel das Buch "Sturmfest und erdverwachsen - Schwarze Geschichten über Ernst Albrecht und die CDU" lesen, das 1980 erschienen ist. Zu den Herausgebern gehörte Eckart Spoo, damals Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union (dju) und Niedersachsen-Korrespondent der "Frankfurter Rundschau", der wegen seiner kritischen Berichte seinen Job verlieren sollte, was Abonnenten mit einem angekündigten Boykott der Zeitung verhinderten.
 
In diesem Buch stellte Regina Droge die Frage: "Muss Gorleben sterben?" und äußerte die Befürchtung "Der Atomstaat formiert sich". Die freie Jounalistin, die vorher für die Deutsche Presseagentur (dpa) gearbeitet hatte, wies darauf hin, dass Ernst Albrecht am 22. Februar 1977 Gorleben ins Gespräch gebracht hatte: "Er bot das Fischerdorf Gorleben an der Elbe als Standort für einen gigantischen Industriebetrieb an, in dem die hochradioaktiven Abfälle aller bundesdeutschen Atomreaktoren gesammelt, kommerziell verwertet und, soweit nicht mehr verwertbar, endgelagert werden sollen." Möglicher Grund könne gewesen sein, dass Abgase der geplanten Wiederaufbereitungsanlage in die DDR geweht werden: "Niedersachsen hat dann keinen Ärger mehr damit." Außerdem sei das Gebiet wegen der Nähe zur DDR-Grenze leicht abzuriegeln.
 
Von seinem Vorschlag sei Albrecht auch nicht abgewichen, "als geologische Untersuchungen der Umgebung deutliche Hinweise erbrachten, daß dieser Salzstock denkbar ungeeignet ist". Dann habe in Hannover ein Gorleben-Hearing stattgefunden, bei dem zwar über die geplante Anlage, jedoch nicht über den Standort diskutiert worden sei. Mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (DWK) durch mehrere Elektrizitätskonzerne habe die Aushöhlung geltender Gesetze begonnen. Der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg sei schließlich die Gemeinnützigkeit aberkannt worden. Begründung: "Der öffentliche Meinungsbildungsprozess über den Bau von Atomanlagen ist abgeschlossen."
 
Wer hat da noch Fragen an Ernst Albrecht? Hoffentlich auch der Polit-Clown Stefan Wenzel nicht mehr...
 
 
 
 
 
 
 



 
 



 

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