Montag, 29. Oktober 2012

Emsig in Burgdorf (III)

Der merkwürdige Hinweisgeber aus Witten

Die Ausgabe des "Anzeiger für Burgdorf und Lehrte" vom 7. November 2003 mit dem Bericht von Martin Lauber über eine Wohnungsdurchsuchung in Burgdorf, bei der es angeblich um "Kinderpornos auf Internetseiten" gegangen ist, war noch druckfrisch, als sich Georg F. Tesch, Geschäftsführer der expert EHG GmbH, an die Schreibmaschine setzte und einen Brief an die gar nicht zuständige Burgdorfer Polizei verfasste. Der erste Absatz lautete: "Lieber Herr Bode, die heutige Presse informiert, dass zwei beschlagnahmte Computer im Zusammenhang von Internetverbreitung kinderpornografischer Abbildungen stehen. Burgdorfer Insider können dem Presseartikel leicht entnehmen, daß diese Computer aus dem Besitz des Herrn Heinz-Peter Tjaden stammen könnten." Einen dieser beiden Computer hätte ich, schrieb Tesch weiter, vor einem Jahr in seinem Geschäft gekauft, er sei noch nicht vollständig bezahlt, womit nun wohl auch nicht mehr zu rechnen sei.

Für den expert-EHG-Geschäftsführer Georg F. Tesch war ich also bereits ein Kinderpornograf mit schlechter Zahlungsmoral. Schlecht war auch das Gespräch von Martin Lauber am 6. November 2003 mit dem ahnungslosen Pressesprecher der Polizeiinspektion Hannover-Land, Ingo Ulbrich, verlaufen. Ingo Ulbrich berichtete am 19. November 2003 in seiner Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft Hannover, der "Anzeiger"-Redakteur habe seinen Anruf mit diesem Hinweis beendet: "Jetzt sei dieses Bild dort auf der Homepage nicht mehr vorhanden." Das verschwieg Martin Lauber am 7. November 2003 in seinem Bericht...

Die Lawine ins Rollen gebracht hatte ein Hinweisgeber aus Witten, der am 8. Mai 2003 eine mail an das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen schrieb. Der Text: "Kontaktaufnahme erwuenscht? Mitteilung: Guten Tag, auf der suche informationen über das Attentat auf den US-Presidenten gelangte ich auf u. g. Seite.  Das Bild scheint mir von nicht normalen Ausmaß zu sein habe dort aber auch nicht nachgeforscht, das sollte vieleicht ihre Aufgabe sein. http://members.aol.com/heinzpetertjaden/images/(name der bilddatei).jpg".

Gründonnerstag 2006 trat dieser Hinweisgeber vor dem Burgdorfer Amtsgericht als Zeuge der Staatsanwaltschaft Hannover auf. Da er so hieß, wie ein Ex-Mann einer Ex-Freundin von mir, fragte ich ihn erst einmal, ob er dieser Ex-Mann sei. Das bestritt er. Dann wies ich ihn darauf hin, dass man bei google bei der Suche nach Informationen über Attentate auf US-Präsidenten mehrere 100 000 Einträge finde. Darauf fand er keine Antwort. Mir war klar, so wie behauptet konnte der Hinweisgeber die Bilddatei nicht gefunden haben.

Bei der Wohnungsdurchsuchung am 3. November 2003 hatte mir die Kripo von Garbsen eine Internet-Adresse genannt, die sehr kompliziert war. Die sollte ich sogleich an meinem Computer aufrufen, was mir nicht möglich war, weil ich schon seit mehreren Wochen nicht mehr im Internet war.

Als Kripo und Zeugen der Stadt Burgdorf meine Wohnung wieder verlassen hatten, radelte ich zum stellvertretenden Vorsitzenden unseres Vereins "Hilfe für Kinder in Burgdorf". Wir suchten die Seite, fanden sie schließlich auch. Außerhalb des Sichtfeldes der Homepage gab es einen Fleck, der nicht größer war als ein Daumennagel.

"Die Bilddatei müssen wir erst herunterladen", sagte mein Stellvertreter. "Aber das machen wir besser nicht. Wir wissen ja gar nicht, was drauf ist." Hatte der Hinweisgeber aus Witten mit "nicht normalen Ausmaß" etwa die Größe der Datei gemeint? Warum hatte er sie heruntergeladen, obwohl sie nicht zu erkennen war?

Auch die google-Suche half uns nicht weiter. Wir fanden unter meinem Namen drei Bilder. Dazu gehörte die umstrittene Datei, die aber auch nicht viel größer war als auf der Seite, die mir die Kripo von Garbsen genannt hatte. Also rief ich AOL an und bat um nähere Informationen. Das sei schwierig, sagte der AOL-Mitarbeiter, weil diese Seite auf einem Server in den USA gespeichert sei.

Da der stellvertretende Vorsitzende unseres Vereins und ich irgendwie im Nebel stocherten, fragte ich diesen AOL-Mitarbeiter am nächsten Tag, ob die Seite gelöscht werden könne. Das sei nicht möglich, sagte er. Das solle ich selbst tun. Was mir jedoch nicht möglich war, weil ich meine AOL-Mitgliedschaft schon lange beendet hatte. Deshalb fragte mich der AOL-Mitarbeiter nach Seiten, die ich bei AOL eingerichtet hatte. Die wurden am späten Nachmittag des 6. November 2003 gelöscht, was mir der Mitarbeiter sofort mitteilte: "Jetzt müssten die Seiten weg sein."

Kurz vor dem Freispruch in Burgdorf rief ich noch einmal AOL an. Mitgeteilt wurde mir, dass es bei AOL die Möglichkeit gegeben habe, öffentliche und nichtöffentliche Internetseiten einzurichten. Die Seite, auf der sich die Bilddatei befand, sei nichtöffentlich gewesen und könne deshalb mit einer Suchmaschine auch wohl kaum gefunden werden. Hatte etwa jemand eine öffentliche Seite von mir kopiert und im Internet als nichtöffentliche Seite versteckt?

Als ich das vor dem Burgdorfer Amtsgericht erzählte, entfuhr der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Hannover der Satz: "Jetzt hätte ich gern einen Experten von AOL hier." Was ich herausgefunden hatte, wusste sie also nicht...

Emsig in Burgdorf (II)



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

der anzeiger-chef taubald wollte doch ihre borschüre über diesen justizskandal lesen. hat der doch auch nie gemacht...

Anonym hat gesagt…

ich habe mal den zeugen der staatsanwaltschaft gegoogelt...