Dienstag, 27. November 2012

Nazis in Hannover

Heute vor 71 Jahren ist der siebte "Osttransport" von Berlin aus gestartet, Ziel war Riga. 1941 lebten in der Reichshauptstadt noch 66 000 Juden, bei Kriegsende waren es 7 000. Die Buchhalter des Todes führten genaue Listen über die Züge, die erst vom Bahnhof Grunewald, später vom Güterbahnhof Moabit starteten. Unzählige Juden flüchteten vor der Ermordung in den Freitod.

Viele Schreibtischtäter aus den Nazi-Behörden tauchten nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus unter, einen verschlug es unter neuem Namen nach Hannover, wo er seinen Schilderungen zufolge vom Verleger des Giesel-Verlages in Isernhagen unter seine Fittiche genommen wurde, Chef vom Dienst für so genannte Fachzeitschriften wie das "Bauzentralblatt" und die "Kautschuk- und Plastik-Zeitung" war er dort bis in die 80-er Jahre und fand nichts Grauenvolles an dem, was er in Berlin getan hatte: "Ein paar hübsche Jüdinnen haben wir gelegentlich für uns aussortiert." Die seien eben etwas später ermordet worden. Damit prahlte er an seinem Arbeitsplatz. Den Verleger störte das nicht.

Harter Konkurrent des Giesel-Verlages war seinerzeit der Patzer-Verlag aus Hannover, der die "Bild"-Zeitung unter den so genannten Fachzeitungen für den Bau herausgab, die heute noch in einer Auflage von über 30 000 Exemplaren erscheint. Der Chefredakteur der "Allgemeinen Bauzeitung" (ABZ) lebte im Taunus und schickte dem Verlagsleiter immer mit der letzten Post für die nächste ABZ-Ausgabe die "Nationalzeitung".  Auch das wussten alle, aus seiner Sympathie für die NPD machte der Chefredakteur kein Geheimnis.

"Die Mörder sind unter uns" hieß es damals noch - und wie sieht es heute in Hannover aus?



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