Mittwoch, 12. Dezember 2012

Das jüngste Gerücht

Über einen Lehrer mit abgewetzter Ledertasche

Die abgewetzte Ledertasche, die er schon seit Jahrzehnten durch die Kleinstadt trägt, wird er weiter durch die Kleinstadt tragen. Denn er ist nicht nur Lehrer, sondern auch für lange Zeit pleite. Bettler lässt er seit Monaten in der Marktstraße rechts stehen, sollen die doch in der Pankratius-Kirche um Hilfe und ein wenig Nahrung bitten, während er sich bei allzu laut knurrendem Magen und allzu trockener Kehle immer noch in Ulis Buchhandlung etwas zum Ablenken von Hunger und auch Durst besorgen könnte, denn für guten Lesestoff ist dieser Laden schon so lange bekannt, wie es Bücher gibt. Der Inhaber ist zehn Jahre früher zur Welt gekommen und hat sofort der Hebamme die Geburtsurkunde entrissen, um sie selbst auszufüllen. Seither hat der es mit dem Schriftlichen, das inzwischen andere für ihn zu Papier bringen, damit er es meistbietend verhökere. Das macht allerdings meistens seine Frau, weil die nicht so schnell Fahrrad fahren kann wie er, um die nächsten Bestseller heranzukarren, die in einer großen Buchhandlung von Hannover niemand kaufen will.

Früher ist er oft mit seiner abgewetzten Ledertasche in einer Kneipe der hübschen Altstadt gewesen, was der Wirt allerdings nie bemerkt hat, weil der nicht über die Theke schauen kann und dieserhalb eine  etwas größere Frau an den Zapfhahn stellt, die ab und wann zu ihm hinunter ruft: "Wenn heute noch ein Gast kommt, dann ist das der Zweite." Denn auch in dieser Kneipe findet Leben Stadt, was für die gesamte Gemeinde gelten würde, wenn nicht immer irgend so ein Döspaddel daher käme, um bei Einbruch der Dunkelheit die Bürgersteige hochzuklappen.

Was bleibt, ist Fußball. Doch der wird schon lange nicht mehr zwischen den Toren der Stadt gespielt, weil die dort beheimateten Vereine dieselben nur selten treffen, sondern etwas außerhalb, wo es sonst noch nur einen Friedhof gibt. Dort hat 1973 der Heesseler SV das Licht einer Rechtsanwaltskanzlei erblickt und wird desterwegen auch von einem Juristen geleitet, der so manchen Prozess versäumt, weil er auf dem Weg zum Clubheim immer wieder im Moor versinkt, wo er manchmal nicht früh genug gefunden wird - was ihm aber kein Richter glauben will, denn das Gelände gilt juristisch betrachtet als Sportanlage.

Seit fast 40 Jahren also schon lodert etwas außerhalb der kleinen Stadt das Feuer der Fußball-Leidenschaft, das sich jüngst über die Halle her- und diese niedergemacht hat. Was solch ein Verein aber nicht mit sich machen lässt. Der baut Niedergebranntes wieder auf - und wenn deswegen ein Lehrer mit abgewetzter Ledertasche als Spender von 10 Euro abgebrannt ist, kann er immer noch als Schlusslicht im Spenden-Ticker dienen. Was nicht hätte passieren müssen, wenn dieser Lehrer früh genug gelesen hätte, was ein Seher aus Burgdorf schon vor langer Zeit gesehen hat: "Wollte guter Rath und Feurung sehr theuer werden", hätte er früh genug etwas für die neue Halle zurückgelegt.






Kommentare:

Anonym hat gesagt…

burgdorf, wie es singt und lacht :-) viele grüße

Anonym hat gesagt…

das walte hugo :-)