Montag, 19. August 2013

Antibiotika

Wirksamkeit erhalten - Gesundheitsministerin entwickelt Strategie

Hannover. Antibiotika zählen zu den bedeutendsten Entwicklungen der modernen Medizin. Sie wirken bei bakteriellen Infektionskrankheiten und retten in vielen Fällen Leben. Je mehr Antibiotika eingesetzt werden, desto größer ist allerdings das Risiko, dass ihre Wirkung nachlässt.

Daher hat Niedersachsen eine Antibiotikastrategie entwickelt.

„Antibiotika müssen wirksam bleiben", sagt Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt. „Ansetzen müssen wir an zwei Punkten. Erstens müssen wir Antibiotika gezielt einsetzen - dort wo sie wirklich nötig sind. Denn nur so können wir die Entwicklung von Resistenzen begrenzen. Zweitens müssen wir die Hygiene verbessern, um die Verbreitung von Resistenzen zu begrenzen."

Die Niedersächsische Antibiotikastrategie:

1. Deutschlandweit werden rund 85 Prozent der Antibiotika von niedergelassenen Ärzten verordnet. Daher hat das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) im Auftrag des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums gemeinsam mit niedersächsischen Expertinnen und Experten einen Ratgeber für niedergelassene Ärzte entwickelt, der in komprimierter Form praxisnahe Tipps gibt, welche Antibiotika gezielt bei welchen Krankheiten verordnet werden. Dieser Ratgeber liegt jetzt in der ersten Auflage vor. „Der industrieunabhängige Ratgeber berücksichtigt sowohl aktuelle Leitlinien, als auch die derzeitige Resistenzsituation in Niedersachsen und soll Ärztinnen und Ärzten im niedergelassenen Bereich eine Entscheidungshilfe für einen zurückhaltenden und rationalen Einsatz von Antibiotika geben", sagt Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes.

2. Um auch Ärztinnen und Ärzten in Krankenhäusern gezielte Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendungen an die Hand zu geben, hat das NLGA im Auftrag des Gesundheitsministeriums gemeinsam mit der Ärztekammer Niedersachsen, der Apothekerkammer Niedersachsen und Fachleuten aus der Infektiologie eine Fortbildung entwickelt.

3. Auch Patientinnen und Patienten oder Eltern von erkrankten Kindern können ihren Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika leisten. Im Fall von grippalen Infekten oder anderen Infektionserkrankungen ist es oft nicht nötig, Antibiotika einzunehmen. Um Patientinnen und Patienten zu erreichen, hat das Ministerium zusammen mit dem NLGA ein Informationsblatt erstellt, das in Apotheken ausgelegen hat und auf den Internetseiten des NLGA abrufbar ist.

4. Auf der Webseite www.antibiotikastrategie.niedersachsen.de stellt das NLGA für Patientinnen und Patienten und für Fachleute zum Thema Hygiene und zum Umgang mit dem Methicillin-resistenten Staphylokokkus aureus, kurz MRSA, bereit.

5. ARMIN (Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen) bietet Fachinformationen zur Resistenzlage in Niedersachsen. Die Daten gewinnt das NLGA in enger Zusammenarbeit mit inzwischen 13 niedersächsischen Laboren. Dieses Instrument ist eine Grundlage für die Beratung zur Antibioikatherapie und eine Möglichkeit, Entwicklungen über die Zeit zu beobachten und damit auch zu evaluieren, ob die Maßnahmen greifen.

„Jeder Einsatz von Antibiotika kann die Resistenzentwicklung fördern. Wichtig ist daher erst eine kritische Indikationsstellung und dann eine zielgerichtete Antibiotikatherapie. Der neue Antibiotika-Ratgeber des NLGA erfüllt alle Kriterien, um der Ärzteschaft fundierte und praxisnahe Hinweise für eine zurückhaltende Antibiotikatherapie an die Hand zu geben", erklärt Dr. med. Gisbert Voigt, Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen. „Besonders positiv hervorzuheben ist, dass er die unterschiedlichen Krankheitsbilder in einzelnen Kapiteln behandelt und die jeweils aktuellen Resistenzen darstellt sowie entsprechende Medikamente nennt. Auch im Bereich der Fortbildung sind wir auf einem sehr guten Weg: Die Ärztekammer Niedersachsen hat sich gerne als Kooperationspartner des NLGA am Ersten Basiskurs Antibiotikatherapie beteiligt. Wir freuen uns über die hohe Resonanz bei den Anmeldungen."

„Rund 22 Millionen Patienten haben im Jahr 2010 ein Antibiotikarezept erhalten. Das sind 31,5 Prozent aller GKV-Versicherten. Innerhalb Deutschlands werden Antibiotika regional unterschiedlich oft verschrieben. Dabei zeigen sich für Kinder und Jugendliche andere regionale Muster als für Erwachsene. Antibiotika gehören zu den häufigsten Arzneimittelverordnungen in Deutschland. Ihr breiter Einsatz wird inzwischen kritisch beurteilt, da sich zunehmend Resistenzen entwickeln und die Mittel dadurch ihre Wirkung verlieren. Daher begrüßt die Kassenärztliche Vereinigung die niedersächsische Antibiotikastrategie", sagt Dr. Jörg Berling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Um die Verbreitung bereits vorhandener Resistenzen einzuschränken, greift in Niedersachsen bereits die Niedersächsische Hygieneverordnung. Die Leitung jeder medizinischen Einrichtung ist danach für die Hygiene im Sinn eines Qualitätsmanagements verantwortlich. Daneben gibt es ein Begleitgremium, in dem Problemfelder der Hygiene im Kontext mit Antibiotikaresistenzen erörtert und überregionale Strategien abgestimmt werden. Auch auf kommunaler Ebene gibt es in Niedersachsen Netzwerke, zum Beispiel in Osnabrück, der Region Hannover oder das Hygienenetzwerk Südostniedersachsen. Ihr Ziel ist der offene Austausch zwischen den verschiedenen Institutionen, die Patienten betreuen. Wenn zum Beispiel ein mit MRSA besiedelter Patient aus einem Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung überwiesen wird, kann die Einrichtung informiert werden, damit das Personal dort die entsprechenden Hygienemaßnahmen ergreifen kann.

Keine Kommentare: