Freitag, 26. September 2014

Pioniere

Der Energiewende starten in zweite Phase

Hannover. Auf dem enercity-Betriebsgelände hat die zweite Phase für den Feldversuch der Ladestation begonnen, rund 30 Testpersonen aus dem Raum Hannover, Nienburg und Salzgitter laden nun ihre E-Autos in bestimmten Zeitabständen und bekommen dafür eine Prämie.
  
Projektleiter Matthias Röhrig, der als enercity-Abteilungsleiter für die überregionale Versorgung mit Strom und Gas verantwortlich ist, würdigte die Beteiligten, die bereits aus eigenem Antrieb E-Autos angeschafft haben, als "Pioniere der Energiewende": „Sie helfen dabei, die Veränderungen in der Energiewirtschaft voranzutreiben. Der anfänglichen Idee, eine fernsteuerbare Steckdose zu entwickeln, folgt in der Zukunft der Bau eines virtuellen Kraftwerks, bei dem E-Autoakkus  ihre Flexibilität für zum Beispiel minütlich fällige Regelenergie zur Verfügung stellen. Oft unvorhersehbar schwankende erneuerbare Stromerzeugung kann so ausgeglichen werden."    
  
Constantin Reese vom Fachgebiet Elektrische Energieversorgung des Instituts für Energieversorgung und Hochspannungstechnik (IEH) an der Leibniz Universität Hannover stellte die technische Entwicklung der Ladestation („CarConnectBox“) vor. Ein Uni-Team kümmert sich um den reibungslosen Betrieb der Geräte. Katja Schlager vom Institut für Transportation Design (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) erläuterte ihre Befragungsmethoden. Auffällig war bisher, dass die durchschnittliche Fahrleistung in der Testgruppe deutlich höher als bei konventionellen PKW ist. Fünf der 30 Haushalte bzw. Gewerbebetriebe haben sogar keine weiteren PKW, sind also ausschließlich elektrisch automobil.   
   
Sven Strube, einer der CCB-Tester, aber auch Inhaber des E-Mobilitätsdienstleisters „Lautlos durch Deutschland“ sowie Honorarprofessor an der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften (Braunschweig/Wolfenbüttel), entwickelte spannende Thesen zur langfristigen Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland. Aufgrund der Deutschland-weit nahezu vollständigen Stromnetzabdeckung laufe die Mobilität des sich ankündigenden postfossilen Zeitalters zwangsläufig auf den Stromantrieb hinaus. Die ökonomischen wie auch ökologischen Kosten der Gesamtinfrastruktur (Energieerzeugung, -umwandlung, -verteilung und -nutzung) fielen hier am günstigsten aus.   
  
„Elektrofahrzeuge bieten das Potenzial, mit ihrer Flexibilität das energiewirtschaftliche System zu stützen. Schwankender Stromverbrauch oder schwankende Erzeugungsleistung von zum Beispiel Windkraftanlagen können so ausgeglichen werden. Für eine erfolgreiche Energiewende ist das Zusammenspiel von fluktuierender erneuerbarer und konventioneller Stromerzeugung von größter Bedeutung. Elektromobilität kann dabei kurzfristige Schwankungen kompensieren, während für längerfristigen Ausgleich wie bei nächtlichen Windflauten ein Leistungs- und Kapazitätsmarkt die notwendige Lösung ist. Denn eine Million Elektroautos könnten bei Windflaute die Stromversorgung lediglich für 10 Minuten überbrücken“, fasst Röhrig das Potenzial des Ansatzes zusammen. Über die technische Machbarkeit hinaus müssten für tragfähige Geschäftsmodelle dieser Art noch grundlegende Hemmnisse beseitigt werden. Auch diese Fragestellung werde in dem Forschungsprojekt vertieft.   
 

Keine Kommentare: