Freitag, 5. Dezember 2014

Jugendämter

Hilfe zur Erziehung wird immer teurer

Hannover. Auch in Niedersachsen gibt es immer weniger Kinder und Jugendliche, die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die erzieherische Hilfen in Anspruch nehmen, steigt jedoch. Das zeigt der dritte Basisbericht mit den Schwerpunkten Hilfen zur Erziehung, Sozialstruktur und Qualitätsentwicklung, der seit heute vorliegt.

In Niedersachsen haben 2012 rund 44 000 Kinder, Jugendliche und Familien erzieherische Hilfen beansprucht. Dazu zählen beispielsweise Erziehungsberatung, die sozial-pädagogische Familienhilfe, die Pflegefamilie oder die Wohngruppe.

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Bevölkerung in Niedersachsen ist von 2006 bis 2012 von 18,9 % auf 16,8 % zurückgegangen. Die Quote der Hilfen zur Erziehung stieg von 26,2 Hilfen pro tausend Kinder und Jugendliche im Jahre 2006 auf 36,9 Hilfen im Jahr 2012.

„Dieser Anstieg zeigt deutlich, dass die Jugendämter - auch ausgelöst durch aktuelle Kinderschutzdebatten - sehr viel aufmerksamer reagieren", so Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt. „Damit steht Niedersachsen nicht allein. Bundesweit sind die Zahlen in den vergangenen Jahren stark angestiegen." In den vergangenen beiden Jahren ist der Anstieg aber auch in Niedersachsen wieder deutlich abgeflacht. Während die Steigerung von 2006 bis 2011 bei insgesamt rund 40 Prozent lag, beträgt die Steigerung von 2010 auf 2012 rund 2 Prozent.

„Die richtige erzieherische Hilfe ist ein Beitrag zur Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen", so Rundt. „Je früher und je zielgerichteter unterstützt wird, desto besser können Kinder und ihre Familien passgenaue Unterstützung finden. Wichtig ist, dass die Jugendämter die Hilfeangebote bereitstellen, die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche die Unterstützung bekommen, die sie ganz individuell brauchen. Die empirischen Daten des Basisberichts sind dafür eine wichtige Grundlage."

Das System der landesweiten Berichterstattung stellt  laut Sozialministerium eine solide Datenbasis zur Verfügung, die von Jugendämtern für die bedarfsgerechte Entwicklung ihrer Hilfsangebote genutzt werden könne. Besondere Bedeutung haben die Hilfen zur Erziehung gewonnen. „Die Hilfen zur Erziehung sind nach den Ausgaben für die Kindertagesbetreuung in den Kommunen der zweitgrößte Ausgabenbereich der Kinder- und Jugendhilfe", so Professor Dr. Hubert Meyer von der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände. Im Durchschnitt wurden 2012 pro Kind/Jugendlichem 401 Euro für ambulante und/oder stationäre Hilfen zur Erziehung ausgegeben, 2006 waren es 270 Euro.

„Fachlich wie auch vor diesem fiskalischen Hintergrund halten wir es für folgerichtig und sachgerecht, dass der jetzt vorgelegte Fortschrittbericht sich schwerpunktmäßig der Qualitätsentwicklung widmet. Die örtlichen Träger der Jugendhilfe wollen die qualitätsbezogene Steuerung der Hilfen zur Erziehung, aber auch der Kindertagesbetreuung und der Jugendsozialarbeit fortentwickeln", so Meyer weiter.

Weitere Informationen Hier klicken

Alles rund, Frau Rundt?

Pressemitteilungen des niedersächsischen Sozialministeriums lesen sich gelegentlich märchenhaft. Die Jugendämter werden also immer aufmerksamer, helfen immer mehr Kindern und Jugendlichen, geben für sie jedes Jahr mehr Geld aus, damit Kinder und Jugendliche nicht den Anschluss verlieren.

Genaue Zahlen gibt es auch noch. Damit sich Jugendämter beim Geldausgeben nicht vertun. Klingt doch ebenfalls wunderbar. Für die Ministerin Rundt ist offenbar alles rund.

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, würde man gern einmal ein Jahr lang Sozialminister in Niedersachsen sein. Dann wird aus dem Runden etwas Eckiges. In dieser Ecke in jeder Hinsicht überfordertes Personal, in der anderen Ecke nutzlose oder schädliche Einrichtungen, die den finanziellen Rachen aufreißen. Kinder, wohl bekomm´s!

  

Keine Kommentare: