Freitag, 27. März 2015

Schluss mit Käfighaltung

Legehennen nicht länger quälen

Hannover. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz haben sich heute in einem gemeinsamen Bundesratsantrag für ein festes Ende der Käfighaltung von Legehennen eingesetzt. „Wir brauchen den schnellen Ausstieg aus einer solchen nicht tiergerechten Haltungsform", sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. „Denn die Kleingruppen-Käfighaltung ist nicht tierschutzgerecht und bleibt verfassungswidrig. Die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher will keine Käfigeier."

Käfighaltung habe wirtschaftlich „zu Recht keine Zukunft mehr. Deutschland muss dem Beispiel Österreichs folgen und aus der Käfighaltung aussteigen." Der Bund solle sich endlich zu einem schnellen Ausstieg bekennen. „Bundesagrarminister Christian Schmidt darf nicht weiter auf Zeit spielen", forderte der Minister. „Es kann doch nicht sein, dass der Ausstieg aus der Käfighaltung deutlich länger dauern soll als der Atomausstieg", sagte Meyer. Unter der Untätigkeit der Bundesregierung leiden nach seinen Worten die Eiererzeuger mit alternativen Haltungsformen.

Die Landesregierung setze auf die von Verbrauchern gewünschte artgerechte Haltung der Legehennen und unterstütze neben der regionalen Vermarktung eine bäuerliche Landwirtschaft. In Niedersachsen leben mittlerweile rund 5,4 Millionen Legehennen in konventioneller oder ökologischer Freilandhaltung. Das sind doppelt so viele wie die derzeit 2,7 Millionen Legehennen in Käfighaltung. Allein 2014 stieg im Vergleich zum Vorjahr in Niedersachsen die Zahl der Freilandhühner aus konventioneller Haltung um fast 20 Prozent, während Boden- und Käfighaltung stagnierten. „Niedersachsen ist bei der Produktion sowohl von Bio- als auch von Freilandeiern bundesweit zu einer Hochburg geworden. Fast jedes zweite deutsche Bio- oder Freilandei stammt damit aus Niedersachsen", sagte der Landwirtschaftsminister.

Auch Meyers Amtskollegin in Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken, forderte, „die tierquälerische Käfighaltung von Legehennen muss ein Ende haben. Jede Henne hat gerade einmal den Platz von etwas mehr als einem DIN A4-Blatt. Bewegungen wie Auffliegen, ungestörte Eierablage, Ruhen oder Staubbaden sind nicht möglich." Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer ergänzte: „Die Kleingruppen-Käfige sind kaum besser als die früheren konventionellen Käfige. Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus sind oft die Folge."

Schon 2012 beschlossen die Länder, sogenannte Kleingruppenkäfige nur noch bis 2023 zuzulassen. Auch die damalige schwarz-gelbe Landesregierung in Niedersachsen sprach sich dafür aus. Das Bundesverfassungsgericht hatte zuvor die Kleingruppenhaltung als unvereinbar mit dem Tierschutz im Grundgesetz erklärt und eine Neuregelung gefordert. Die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung setzte sich mit der Fristsetzung bis 2035 nicht durch, hat aber gleichwohl den Länderbeschluss aus dem Jahre 2012 nicht beachtet.

Dass die Bundesregierung bis heute diesen Länderbeschluss nicht umgesetzt hat , nennen Meyer und Höfken „eine unverantwortliche Unverfrorenheit und einen Skandal". Meyer: „Bis heute ist nichts geschehen. Wir fordern die jetzige Bundesregierung und vor allem CSU-Agrarminister Christian Schmidt auf, endlich zu handeln." Meyer und Höfken weisen darauf hin, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher bereits mit dem Einkaufskorb entschieden hätten: „Seit die Haltungsform auf Eiern ablesbar ist, sind Käfigeier aus den Regalen verschwunden." In verarbeiteten Lebensmitteln wie Nudeln oder bunten Ostereiern werden Käfigeier aber immer noch verwendet. Rheinland-Pfalz und Niedersachsen fordern daher, die Kennzeichnungspflicht auch auf verarbeitete Eier auszuweiten.

Zwei Drittel aller Erzeuger haben - so der Minister und die Ministerin - auf die Verbraucherforderung reagiert und auf tiergerechte Haltungsformen umgestellt. „Bundeseinheitliche Regelungen zum Ende der Käfighaltung sind unerlässlich, um Tierhaltern und Behörden Rechtssicherheit zu geben und um dem Willen der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Eiern aus tiergerechter Haltung nachzukommen", so Höfken.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister sieht sich auch durch die Statistik in seiner Auffassung bestätigt, dass die Käfighaltung keine Zukunft mehr hat: Von 2008 bis 2014 sank die Zahl der in einem Käfig gehaltenen Hennen von rund elf Millionen auf etwa 2,7 Millionen Tiere. Im gleichen Zeitraum stieg dagegen die Zahl der Freiland- oder Biohennen von ungefähr zwei Millionen auf rund 5,4 Millionen Tiere.

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