Mittwoch, 9. März 2016

Zwei Fremdsprachen

Kultusministerin hält Lösung für gut

Hannover-7. März 2016. Zwei Fremdsprachen sollen an Gymnasien und Kooperativen ab dem 11. Schuljahr Pflicht bleiben. So steht es im neuen Entwurf des niedersächsischen Kultusministeriums für die "Verordnung über die gymnasiale Oberstufe". Zusätzlich erhalten die Schulen Spielraum, um abweichend von der grundsätzlichen Belegungsverpflichtung einer zweiten Fremdsprache eine Alternative als Wahlpflichtangebot einzurichten. Hierüber müsste der Schulvorstand entscheiden. Der Verordnungsentwurf befindet sich bis zum 14. März in der öffentlichen Anhörung.

„Angesichts der Bedeutung der Fremdsprachen und vor dem Hintergrund des von den Schulen verbindlich anzubietenden sprachlichen Profils in der Qualifikationsphase wird die zweite Pflichtfremdsprache in jedem Fall auch künftig fester Bestandteil der Stundentafel der Einführungsphase bleiben. Gleichzeitig können sich Schülerinnen und Schüler, die bereits im 11. Schuljahrgang wissen, dass sie ein anderes Profil in der Qualifikationsphase anwählen möchten, dann schon in der Einführungsphase durch das zusätzliche Wahlpflichtangebot intensiv auf die entsprechenden Schwerpunktfächer vorbereiten. Ich halte das für eine gute Lösung, die allen Anliegen gerecht wird", sagt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Im bundesweiten Vergleich liege Niedersachsen in der Summe der Stunden für die zweite Fremdsprache mit der vorgeschlagenen Regelung weit vorne. Die KMK-Regelung gehe zudem von einer Mindestbelegungszeit von vier Jahren für die zweite Fremdsprache aus. „In Niedersachsen sind mindestens fünf Jahre verpflichtend, selbst wenn die Schule von der abweichenden Regelung Gebrauch macht. Es gibt keinen Zweifel, dass wir dem Erlernen der zweiten Fremdsprache eine hohe Priorität einräumen. Die zweite Fremdsprache ist und bleibt ein zentraler Bestandteil der gymnasialen Bildung in Niedersachsen", so Heiligenstadt.


In einem ersten Verordnungsentwurf war geplant, die zweite Pflichtfremdsprache in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe als ausnahmslos verpflichtend vorzusehen. Nach Hinweisen in der Anhörung, bei der zu dieser Frage sehr unterschiedliche Positionen eingenommen wurden, wurde der entsprechende § 8 der „Verordnung über die gymnasiale Oberstufe (VO-GO)" angepasst. Dies erfolgte im Zuge der Umstellung auf einen neuen dreizehnjährigen Bildungsgang an Gymnasien und an den nach Schulzweigen gegliederten Kooperativen Gesamtschulen („G9"). 

Im Juni 2015 hatte der Niedersächsische Landtag ein neues Schulgesetz verabschiedet und damit unter anderem das so genannte „Turbo-Abi" abgeschafft. Seit dem Schuljahr 2015/2016 haben die Schülerinnen und Schülern der Schuljahrgänge 5 bis 8 wieder mehr Zeit zum Leben und Lernen: Die Schulzeit wird gestreckt, aber nicht mehr Stoff in die Lehrpläne gepackt. Somit bleibt mehr Zeit, um jede Schülerin und jeden Schüler besser individuell zu fördern und den Übergang von der Schule in das Studium oder den Beruf intensiver zu begleiten.

Pressemitteilung zur Kritik des Philologenverbandes

Hannover-9. März 2016. Das Niedersächsische Kultusministerium weist die Kritik des Philologenverbandes an der neuen Entwurfsfassung der Verordnung über die gymnasiale Oberstufe in aller Form zurück. „Es gibt einen fundierten, modernen und innovativen Verordnungsentwurf für die Oberstufe der Zukunft. Hier wird Bewährtes bewahrt und Neues als Möglichkeit eingeräumt. Der Entwurf sichert die hohe Qualität des niedersächsischen Abiturs und garantiert die Einhaltung der Bildungsstandards", so ein Sprecher des Niedersächsischen Kultusministeriums.

Form und Inhalt der Verlautbarung seien kein Beitrag zur sachgemäßen Auseinandersetzung über die Arbeit in der Oberstufe. Auch wenn sich der Philologenverband auf politische Oppositionsrhetorik beschränke, bleibe das Kultusministerium aber sachlich, erklärt der Sprecher. „Leider werden falsche Tatsachen in den Raum gestellt, wie die angebliche Kürzung in den MINT-Fächern im Sekundarbereich I oder das angebliche Ziel, die Anforderungen herabzusetzen. Das entbehrt jedweder Grundlage." Dennoch sei das Ministerium immer gesprächsbereit und nehme weitere Hinweise der Verbände im Rahmen der Anhörung selbstverständlich entgegen. Dies gelte auch für die Versetzung in die Qualifikationsphase und die Bewertungen in 12 Fächern. Sollten in dieser Frage die Rückmeldungen in der erneuten Anhörung überwiegend kritisch sein, wäre der Vorschlag noch einmal zu prüfen.

Insbesondere sei die Kritik des Philologenverbandes an der Rolle der zweiten Fremdsprache in der Oberstufe „im Ton maßlos und in der Sache nicht nachvollziehbar", so der Sprecher. Grundsätzlich bleibe die zweite Fremdsprache verbindlich, die Abweichung müsse ausdrücklich vom Schulvorstand beschlossen werden. „Das Kultusministerium hat Vertrauen in die Schulleitungen, die Lehrkräfte, die Elternvertretungen sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Schülerinnen und Schüler, sachgerechte Entscheidungen zu treffen. Die Schule bleibt verpflichtet, die zweite Fremdsprache anzubieten. Das alternative Wahlpflichtangebot bietet Schülerinnen und Schülern aber die Möglichkeit, sich auf eine Schwerpunktbildung in der Qualifikationsphase vorzubereiten. Es bleibt völlig unklar, warum die Schulen mit dieser Möglichkeit aus der Sicht des Philologenverbandes `Bildungsabbau' betreiben sollten".

Auch die Ablehnung einer Präsentationsprüfung im 5. Abiturprüfungsfach kann nicht nachvollzogen werden, da sie in mehreren Bundesländern, z. B. in Baden-Württemberg, bereits Standard ist. „Wir halten eine solche Prüfungsmöglichkeit für einen sehr zeitgemäßen Schritt. Die Schülerinnen und Schüler müssen die Präsentation ausarbeiten und dem Fachprüfungsausschuss vorstellen und gut begründen. Eine solche Arbeitsleistung fördert das selbständige Arbeiten von Schülerinnen und Schülern und das intensive Durchdringen von Sachverhalten."

„Die unkonstruktive Haltung des Philologenverbandes ist bedauerlich, insbesondere, da dieser in den Dialogprozess für den neuen neunjährigen Bildungsgang an den niedersächsischen Gymnasien intensiv eingebunden war", so das Fazit des Sprechers.

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