Dienstag, 22. November 2016

Neue Presse-neue Rechte

Schublade auf-Studie rein

"Studie: ´Neurechtes´ Gedankengut weit verbreitet" lautet heute die Überschrift eines Zweispalters in der "Neuen Presse". Berichtet wird über eine Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Zu diesem "neurechten" Gedankengut gehört demnach auch die Aussage "In Deutschland kann man nicht mehr seine Meinung vertreten, ohne Ärger zu bekommen". Die werde von 28 Prozent der Befragten gemacht.

Meines Erachtens sind das erstaunlich wenige und zweitens stimmt das nicht erst seit heute. Das müsste eigentlich auch die "Neue Presse" wissen, deshalb klingt die kritiklose Wiedergabe der Studienergebnisse schon sehr nach Ärger-Vermeidung.

Wie viel Ärger man bekommen kann, wenn man seine Meinung vertritt, wissen zum Beispiel Betriebsratsmitglieder, die nicht - wie derzeit bei VW - zu jedem Manager-Übel Ja und Amen sagen, damit nicht noch mehr Arbeitsplätze vernichtet und ins Ausland verlagert werden. 

Der niedersächsische Ministerpräsident ist sogar schon so angepasst, dass ihm die Zahl 23 000 Arbeitsplätze nicht passt. Der rechnet Arbeitsplätze dagegen, die möglicherweise neu entstehen und kommt so auf gut 10 000 vernichtete. Wenn der das als Mitverantwortlicher bei VW und als Politiker gut findet, dann doch wohl nur, um Ärger zu vermeiden. Merkt der gar nicht mehr, wann er die Leute nicht verarschen sollte, weil sonst die "Neurechte" immer stärker wird?

Schon einer meiner Professoren hat mich während meines Studiums in Mainz vor nach seiner Auffassung zu kritischen Meinungsäußerungen gewarnt, weil die keinesfalls karriereförderlich seien, was mir allerdings auch schon damals ziemlich schnurz gewesen ist, ein anderer Professor sagte mir sogar ins Gesicht, dass Studenten wie ich von ihm nie ein Diplom bekämen.

Als ich 1986 einen kritischen Roman veröffentlichte, schrieb ein freier Mitarbeiter der "Neuen Presse" eine positive Rezension, die aber nicht veröffentlicht werden durfte. "Auf Geheiß von oben", teilte mir dieser freie Mitarbeiter mit - und vertrat deswegen eine "neurechte" Meinung? Und hat deshalb heute eine Führungsposition bei der "Neuen Presse" inne?

Ich habe mir nie den Mund verbieten lassen und bekam deshalb oft Ärger. Vom Hamburger Landgericht wurde mir nach einem Bericht über einen Scharlatan sogar die Verbreitung der Wahrheit verboten. Dass ich die Wahrheit geschrieben hatte, wurde mir in diesem Urteil ausdrücklich bestätigt.

Es ist wie es schon immer war. Die Gedanken sind frei - das gesprochene Wort ist nicht so oft frei. Darauf reagiert die "Neue Presse" heute mit Schubladen-Denken über eine Studie, die schnell wieder in einer Schublade verschwinden sollte, bevor sich diese SPD-nahe Stiftung noch lächerlicher macht. Die "Neue Presse" Hannover gehört übrigens zu fast 25 Prozent der SPD...




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