Mittwoch, 24. Januar 2018

Tödlicher Blick

Der letzte Blick. Foto: ADAC
Handy-Blindflug endet auf Friedhof
Braunschweig/Osnabrück/Hannover. Ein kurzer Blick aufs Handy, tot! Da täglich Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer im Straßenverkehr diesen Blick riskieren, gibt es viele Gründe, um die Unfallursache „Handynutzung"  zu untersuchen. Deswegen werden seit dem 1. Januar 2018 in einer einjährigen Untersuchung in den Polizeidirektionen Braunschweig, Hannover und Osnabrück Verkehrsunfälle gründlich analysiert, bei denen vermutet wird, dass Ablenkung die Unfallursache sein könnte.
Aktuell liegen bundesweit keine auswertbaren polizeilichen Daten zur Verkehrsunfallanalyse vor, mit denen die Kausalität zwischen der Nutzung von mobilen Endgeräten und Verkehrsunfällen bewiesen wird. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die rechtlichen Möglichkeiten zur Aufklärung auf schwere Verkehrsunfallfolgen begrenzt sind und derzeit in den polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystemen die Ursache „Ablenkung" nicht erfasst wird. 
Dazu der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius: „Egal ob am Steuer, auf dem Rad oder als Fußgänger - fast jeder Verkehrsteilnehmer ist per Smartphone immer erreichbar. Aber natürlich führt das auch dazu, dass auch mal aus Reflex oder weil man es schlichtweg für wichtig hält, aufs Display und nicht auf die Straße gesehen wird. Leider kann das im schlimmsten Fall auch zu tödlichen Unfällen führen. Ein Beispiel: Wer bei Tempo 100 auf der Landstraße nur zwei Sekunden auf sein Smartphone sieht, fliegt fast 60 Meter im Blindflug über die Straße - eine Strecke auf der unheimlich viel passieren kann. Mit unserer Untersuchung in mehreren Bereichen Niedersachsens wollen wir noch mehr über dieses Phänomen erfahren, auch um alle Verkehrsteilnehmer durch passgenaue Maßnahmen besser schützen zu können. Grundsätzlich gilt aber schon jetzt: Kopf hoch. Das Smartphone hat im Straßenverkehr nichts zu suchen!"
Zur weiteren Erforschung der Unfallursache „Handynutzung" stehen der Polizei verschiedene Maßnahmen, wie z.B. die Durchsuchung von Unfallfahrzeugen, Sicherstellung oder Beschlagnahme von aufgefundenen Mobiltelefonen und das anschließende Auslesen zur Verfügung. 
Bei der einjährigen Untersuchung wirkt die Technische Universität Braunschweig mit. Dabei wird in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu Verkehrsunfällen mit hohem Sachschaden und Personenschäden an vergleichbaren Örtlichkeiten das Verhalten der Verkehrsteilnehmer von Studenten der Technischen Universität Braunschweig beobachtet, um damit die Rolle von Ablenkung bei der Unfallverursachung besser zu verstehen. Ergänzt wird dies durch Untersuchungen der Verkehrsunfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover, die Unfallbeteiligte in einem anonymisierten Verfahren zum Unfallhergang befragt.

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