Donnerstag, 24. Januar 2019

Grüß Väterchen Franz

Egon Kuhn 2012 bei einer
Mai-Kundgebung.
Foto: Linden entdecken
Egon Kuhn: Auch Totgesagte sterben

Kennengelernt habe ich Egon Kuhn als Schüler und Jungsozialist in Wilhelmshaven. Wir setzten uns damals für ein Freizeitheim im Stadtnorden ein, er hielt einen Vortrag über die Bedeutung der Jugendzentrums-Bewegung und äußerte sich nach der Veranstaltung verwundert über die dummen Fragen eines Herrn. Wir klärten ihn auf. Denn dieser Herr war Stadtjugendpfleger. Deshalb wünschte uns Egon Kuhn besonders viel Glück bei unserem Vorhaben, das uns auch wirklich gelang. Besagter Stadtjugendpfleger wurde später SPD-Landtagsabgeordneter. 

Das verriet ich Egon nicht, als ich 1975 nach Hannover zog und ihn im Freizeitheim Linden besuchte. Wenn er von seinem Freizeitheim sprach, geriet er ins Schwärmen. Egon Kuhn war ein Revolutionär mit sozialdemokratischem Anspruch. Bei ihm trat Franz Josef Degenhardt ("Väterchen Franz") auf, der aus der SPD ausgeschlossen worden war, weil er in Schleswig-Holstein zur Wahl der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aufgerufen hatte. 

Dann starb Egon Kuhn. Mit der "Neuen Presse" in der Hand, die den Tod von Egon Kuhn gemeldet hatte, rief ich im Freizeitheim Linden an. Am Apparat: Egon Kuhn, der mich beruhigte. Sein Kommentar: "Denk dran, Totgesagte leben länger."

Genauer gesagt: 92 Jahre und ein Tag. In der Nacht zum Mittwoch ist Egon Kuhn gestorben. Friedlich. Melden viele Zeitungen. Deshalb muss ich leider dieses Mal an seinen Tod glauben.

Heinz-Peter Tjaden  

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